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Das
Rasseportrait
Leineschaf

Das "alte" Leineschaf war bis ins Jahr 1866 als "Rheinisches Schaf" im
Königreich Hannover mit einem Anteil von 17 % am Gesamtbestand beteiligt. Sehr
früh wurden damals die englischen Schafrassen Leicester und Cotswold zur
Verbesserung von Körperform und Fleischertrag in die Zucht aufgenommen. Seit
1906 existiert ein einheitliches Zuchtziel. Fortan übernahm die
Landwirtschaftskammer Hannover mit der Gründung von Elite- und Stammherden die
Betreuung einer kontinuierlichen Zuchtarbeit. Zu den wichtigsten Zuchtbetrieben
zählten damals u.a. die Gutsbesitzer Küsel in Dramfeld, Lohse in Rittmarshausen,
Graf von Hardenberg sowie die Landwirte Deppe in Groß Schneen, Hille in
Beienrode, Wedekind in Groß Lengden. Bis 1937 hatte sich die Population des
Leineschafes bis auf über 77.000 Tiere in ganz Deutschland vergrößert. Es
gehörte zu den robusten und anspruchslosen Landrasseschlägen. Das Zuchtgebiet
lag entlang der Hügel des Leineflusses vom Eichsfeld über Göttingen bis
Hannover. Hier beweideten die Herden der Guts- und Genossenschaftsschäfereien
die wenig ertragreichen Hänge, Wegränder und Stoppelfelder der
Ackerbaugebiete.
Neue Zeit - Neuer Typ
In der Zeit nach 1950 mit beginnender
Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie dem Billigimport von
Wolle verringerten sich die Schafbestände in Deutschland drastisch. Das
Leineschaf "alten Typs" mit seiner doppelten Nutzung von Fleisch und Wolle war
am Markt nicht mehr gefragt. Mittels eines Zuchtplans von Prof. Haring vom
Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Göttingen in
Zusammenarbeit mit dem Landesschafzuchtverband wurde ab 1965 eine
Kombinationszüchtung mit den fruchtbareren und milchergiebigeren Ostfriesischen
Milchschafen und den fleischreicheren Texelschafen eingeleitet. Dies führte zu
einem "neuen Typ" des Leineschafes, das in Niedersachsen heute zu den
Fleischschafrassen gehört. Aktuell existieren im niedersächsischen Gebiet etwa
25 Zuchtbetriebe mit ca. 1000 Leineschafen. Diese Population gilt heute aufgrund
der relativ kleinen Zuchtbasis als gefährdete Schafrasse.

Überlebt im Exil
Der ursprüngliche Typ des
Leineschafes überlebte nur in Polen und in Deutschland lediglich in einer
kleinen Zuchtgruppe im Erfurter Zoopark. Diese Tiere konnten, nach Aufgabe der
Leineschafzucht in der DDR 1969, aus ehemaligen Leineherden gerettet werden. Der
NABU Leipzig hat 1992 die Tiere zur Beweidung geschützter Biotope in Pension
genommen. Gute Fruchtbarkeit und Wachstum der Lämmer bei extensiver Haltung
bewiesen schnell ihre Eignung für die Landschaftspflege. Zur Reproduktion
verhalfen Zuchtböcke aus dem, bis 2002 noch in Polen vorhandenen, Restbestand
einer staatlichen Zuchtherde. Diese wurde einst begründet aus
Kriegsreparationslieferungen in den Jahren 1954 und 1960 von Leineschafen aus
Südniedersachsen (ca. 1500 Tiere). Diese Schafe sind in Polen weitgehend in
Reinzucht erhalten geblieben.
Wiederaufbau einer typischen
Landrasse
Mehrere Rückimporte aus Polen erreichten in der Zeit von
1993-1999 Sachsen und Thüringen, insgesamt etwa 30 Zuchtböcke und 70 weibliche
Jungschafe. Gegenwärtig sind an der Wiedereinbürgerung dieses "ursprünglichen
Typs" in Sachsen sechs aktive Leineschafzüchter mit etwa 200 Zuchttieren und in
Thüringen zwei Betriebe mit derzeit etwa 450 Leineschafen beteiligt, wobei die
Zuchtbasis ganz überwiegend auf polnische Herkünfte zurückgeht. Aufgrund der
geringen Tierzahl (ca. 650 Zuchtschafe) gilt das Leineschaf im ursprünglichen
Typ als sehr stark gefährdet und akut vom Aussterben bedroht.
Rückkehr an
die Leine
In Südniedersachsen sind durch das 1998 gestartete Vorhaben
des Göttinger Landschaftspflegeverbandes mittlerweile einige Züchter mit der
Wiederbelebung der Leineschafzucht im Leinebergland befasst, wobei von drei
Züchtern die Rückkreuzung zu dem extrem gefährdeten "ursprünglichen Typ" mit
Hilfe von zugekauften Zuchttieren, vorwiegend aus Thüringen, betrieben wird. Als
Aufgabe steht bei allen Züchtern die Anpaarung von Tieren unter Berücksichtigung
der Blutlinien zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Rasse im Vordergrund.
Ein Länderübergreifendes Zuchtprogramm zur Erhaltung des Leineschafes fehlt
leider derzeit noch. Derzeit halten auf Initiative des Göttinger
Landschaftspflegeverbandes wieder 13 Schafhalter/innen Leineschafe im
Einzugsbereich der oberen Leine.
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